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September 2018

Kunststofftechnik/ Extrusion/ Zulieferwesen/ Konstruktion/ Gebäudetechnik/ Fassadenbau

„Neues Granulat nur noch sehr gezielt“

Kunststoff-Extrudierer SLS setzt auf Kundenorientierung, Flexibilität und Umweltschutz

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Ein breit gefächertes Leistungsangebot, eine hohe Kompetenz im Werkzeugbau und flexible Strukturen in Produktion und Management gehören zu den Stärken von SLS. Dabei ist das Drei-Familien-Unternehmen nicht nur eine der ersten Adressen für die Herstellung innovativer Fenster- und Türprofile aus Kunststoff, sondern gilt auch als kundenorientierter Entwicklungspartner für Sonderprofil-Lösungen. Im Interview erläutert Co-Geschäftsführer Marco Streck wie SLS auf anspruchsvolle Kundenwünsche, neue Behördenauflagen und die Schwankungen der internationalen Märkte reagiert.

Herr Streck, wie bewerten Sie die bisherige Geschäftsentwicklung in 2018?
Streck: Das Jahr 2018 zeigt sich bislang recht wechselhaft. Nach einem starken ersten Quartal haben wir im zweiten Vierteljahr einen Auftragsrückgang verzeichnet. Das hat uns allerdings nicht überrascht, da die Märkte durch die weltpolitische Lage verunsichert sind. Ich denke hier vorrangig an Faktoren wie etwa die schleppende Brexit-Debatte mit nach wie vor unklarer Perspektive, die vielen regionalen Krisenherde in Osteuropa, Vorderasien oder Südamerika sowie natürlich den Handelskonflikt mit den USA. Das dritte Quartal werten wir derzeit aus und der weitere Jahresverlauf dürfte spannend bleiben. Insgesamt überaus positiv entwickelt sich unser Projektgeschäft.

Wie reagieren Sie auf diese wechselhafte und unklare Allgemeinsituation?
Streck: Nun, wir besinnen uns auf unsere Stärken. Sowohl material- als auch verfahrenstechnisch ist SLS sehr gut aufgestellt. Daraus ergibt sich für den Kunden ein attraktives Gesamtpaket, das von der Entwicklung über den Werkzeug- und Formenbau und die Extrusion von Voll- oder Hohlprofilen bis hin zur Baugruppen-Fertigung reicht. Da wir zudem alle Leistungsbereiche unter einem Dach haben, profitieren unsere Kunden von vielen Pluspunkten hinsichtlich Qualität, Kosten und Zeitaufwand. Dazu kommt, dass wir von der ersten Stunde an Projekte und Neuentwicklungen als aktiver Partner und Ideengeber begleiten können. Hierbei spielt eine unserer Kernkompetenzen - die Herstellung kundenspezifisch maßgeschneiderter Extrusionswerkzeuge – eine ganz zentrale Rolle. Standard- oder Sonderprofile realisieren wir in Metergewichten von 20 Gramm bis 3,0 Kilogramm.

Welche Trends und Tendenzen des Marktes prägen derzeit Ihr Tagesgeschäft?
Streck: Abgesehen von den immer häufiger geäußerten Wünschen nach kleineren Stückzahlen und vorkonfigurierten Profillösungen, gibt es seitens der Kunden zur Zeit eine starke Fokussierung auf die Themen Ressourcenschonung, Abfallminimierung, Materialaufbereitung und Wiederverwertung. Immer mehr Kunden schreiben sich – und uns – daher eine umweltschonende Fertigung und Recycling-Kriterien ins Pflichtenheft. Infolgedessen extrudieren wir immer mehr Profile mit einem hohen Werkstoffanteil aus Recyclingmaterial. Oft führen wir neues Granulat nur noch sehr gezielt zu und manche Produkte werden sogar vollständig aus recyceltem Kunststoff gefertigt. Dabei sind allerdings einige wichtige Faktoren zu beachten.

Woran denken Sie hierbei konkret?
Streck: Zum einen erfordert der Einsatz von Recyclaten technische Anpassungen in der Werkzeugtechnik. In diesem Bereich haben wir dank unserer großen Erfahrung im Werkzeugbau keine Probleme. Zum anderen ist trendbedingt ein Preisanstieg für Recyclingmaterialien und Regranulate zu beobachten. Darauf haben wir freilich keinen Einfluss. Der Einsatz von Recyclaten ist aber schon jetzt nicht mehr in allen Fällen wirtschaftlicher.

Auf welchen Gebieten sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für SLS?
Streck: Derzeit sind es vor allem gesetzgeberische Auflagen und Regularien, die unser Tagesgeschäft in organisatorischer und finanzieller Hinsicht belasten. Sie engen unseren unternehmerischen Spielraum immer mehr ein und behindern auch die Umsetzung unserer Flexibilität – eine unserer Stärken. Wir sind ständig gezwungen, neue Wege zu finden, um unsere hohe Flexibilität zugunsten der Kunden aufrecht zu halten. Auch hinsichtlich der voranschreitenden Globalisierung der Kundschaft ist es für uns von großer Bedeutung, dass unsere flexiblen Strukturen in Produktion, Management und Vertrieb weiterhin Bestand haben können. Darüber hinaus fokussieren wir uns nach wie vor intensiv auf die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte und die Optimierung der Ausbildung. Hier sehe ich uns – und viele andere Unternehmen – in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen.

Welche gesetzgeberischen Maßnahmen ärgern Sie denn als Unternehmer derzeit am meisten?
Streck: Da gibt es eine ganze Reihe von Ärgernissen. Denken Sie nur an die ganzen Statistikmeldungen für die Bundes- und Landesämter, für die wir zusätzliches Personal abstellen müssen. Oder die hinsichtlich der Anpassung der Arbeitnehmer-Verdienstgrenzen und Freibeträge unzureichend überdachten Mindestlohngesetze, die im Widerspruch stehen zur – zweifellos richtigen – Forderung nach betrieblicher Altersvorsorge. Oder plötzliche Nachforderungen von Sozialversicherungsbeiträgen, die das alles dann wieder in Frage stellen.

Welche technologischen Aufgabenstellungen stehen für Ihr Unternehmen derzeit im Mittelpunkt?
Streck: Unsere starke Wettbewerbsposition im Bereich der extrudierten Kunststoffprofile für den Fenster- und Türenbau wollen wie ebenso behaupten und ausbauen wie unsere Aktivitäten für andere Branchen – etwa die Elektrotechnik, den Fahrzeugbau, die Verpackungstechnik oder auch die Medizintechnik. Dazu sind sowohl weitere Investitionen in die Werkzeugtechnik erforderlich als auch technische Anpassungen und Erweiterungen unserer Maschinenparks in der Extrusion und Anarbeitung. Beides ist derzeit in der Realisierungsphase.

Was bedeutet das für den weiteren Ausbau der Leistungsbereiche von SLS?
Streck: Der Einsatz neuester Werkzeugtechnologie bedingt intensive Modernisierungen im Bereich der Werkzeugwartung und Werkzeugpflege. Weitere Optimierungsmaßnahmen stehen in der Produktion an. Hier werden wir durch neues Equipment und innovative Technik auf veränderte Marktsituationen reagieren. Dabei geht es in letzter Konsequenz immer wieder darum, die Umsetzung weiterer Kundenwünsche zu ermöglichen und stets Schritt zu halten mit dem technologischen Fortschritt. In die gleiche Richtung wirkt der weiter voranschreitende Ausbau unserer Kapazitäten in der Anarbeitung und Konfiguration.

Können Sie einige anschauliche Beispiele für diese Modernisierungen und Optimierungen nennen?
Streck: Ohne allzu viel preiszugeben kann ich sagen, dass wir unter anderem neue Extrusionsanlagen für höhere Ausstoßgeschwindigkeiten in Betrieb nehmen werden – inklusive längerer Kühlstrecken und Kalibriertische sowie mit Abzügen und Guillotinen. Des Weiteren werden wir für unsere inzwischen 28 Extrusionslinien und das bestehende Wasserkreislaufsystem neue, energieeffiziente Pumpentechnik einsetzen. Ebenfalls auf unserer Agenda stehen die Entwicklung und Fertigung eigener Maschinenkomponenten durch unsere Maschinentechniker sowie die Forcierung gemeinsamer Kundenprojekte mit dem Ziel der Entwicklung neuer Produkte; hierbei agieren wir vorrangig auf dem Gebiet der Werkzeugtechnik. All diese Modernisierungsmaßnahmen gehen einher mit ständigen Prozessoptimierungen und intralogistischen Verbesserungen.

Und was tut sich bei SLS auf dem Gebiet der Werkstoffe? Finden neue Kunststoffe den Weg ins Portfolio?
Streck: In diesem Bereich sind wir derzeit ebenfalls sehr aktiv. Aktuell laufen zum Beispiel vielversprechende Projekte mit Faserverbund-Werkstoffen und neuen Bio-Compounds. Aber dazu möchte ich hier und heute nicht mehr verraten.

Herr Streck, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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Geometrisch komplex und mehrteilig: Extrudierter Elektro-Installationskanal von SLS für den Einsatz in einem automatisierten Regalsystem. Das Unternehmen verfügt unter anderem über eine VDE-Auditierung.(Bild: SLS)

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Co-Geschäftsführer Marco Streck: „Seitens der Kunden gibt es zur Zeit eine starke Fokussierung auf die Themen Ressourcenschonung, Abfallminimierung, Materialaufbereitung und Wiederverwertung." (Bild: SLS)

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Gut aufgestellt: SLS bietet den Kunden ein Gesamtpaket von der Entwicklung über den Werkzeug- und Formenbau bis hin zur Extrusion von Voll- oder Hohlprofilen und zur Baugruppen-Fertigung. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Herstellung kundenspezifisch maßgeschneiderter Extrusionswerkzeuge.(Bild: SLS)

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Genauigkeitssäge in der Konfektionierung von SLS zur Fertigung endkonturennaher Schnittkanten. Investitionen in solche Maschinen sind charakteristisch für die wachsende Bedeutung des kundenspezifischen Projektgeschäfts im Portfolio von SLS. (Bild: SLS)

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Inline-Konfektionierung: Für die Herstellung extrudierter Einbau-, Putz- und Systemschienen für den Trockenbau betreibt SLS eigenständige Fertigungslinien. Hier erhalten die Schienen beispielsweise spezielle Stanz- und Lochmuster. (Bild: SLS)

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Multi-Material-Konstruktion: Zeiteiliges Profilsystem von SLS aus einem extrudierten PVC-Hartschaum (grau) mit offenporigem Gefüge und durchgehendem Kern aus Neopor® für einen neuen Passivhaus-Fensterrahmen mit exzellenten Wärmedämmwerten. (Bild: Pazen)

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Das Unternehmen SLS mit Firmensitz in Dahn zählt europaweit zu den ersten Adressen für extrudierte Kunststoffprofile. Es gilt nicht nur als Spezialist für Fensterprofile, sondern ist auch ein gefragter Zulieferer von Sonderprofilen und Entwicklungspartner für anspruchsvolle Problemlösungen. (Bild: SLS)