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Januar 2018

Antriebstechnik/ Konstruktion/ Maschinenelemente/ Verbindungstechnik/ Maschinen- und Anlagenbau

„Wir denken immer schon global“

Der Komponenten-Hersteller RINGSPANN setzt seinen Expansionskurs konsequent fort

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Mit der Inbetriebnahme seines zweiten Produktionswerks am Standort Bad Homburg verwirklichte RINGSPANN Mitte 2017 ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Vollsortimenter für hochwertige Antriebstechnik-Komponenten. Für Geschäftsführer Fabian Maurer ist das allerdings nur ein Teil der global ausgerichteten Unternehmensstrategie, mit der alle Produktgruppen auf jenes Niveau geführt werden sollen, auf dem sich die Freilauf-Sparte von RINGSPANN bereits seit Jahrzehnten befindet: An die Spitze der internationalen Märkte! Im Interview erläutert der Firmenchef, welche Maßnahmen für 2018 auf seiner Agenda stehen.

Herr Maurer, warum der Bau eines zweites Produktionsstandortes in direkter Nachbarschaft des RINGSPANN-Stammsitzes in Bad Homburg?
Maurer: Im Rahmen unserer 2014 formulierten Unternehmensstrategie haben wir den Entschluss gefasst, RINGSPANN zum internationalen Vollsortimenter für hochwertige Kupplungen und Bremsen der industriellen Antriebstechnik weiterzuentwickeln. Dafür galt es – unter anderem – zwei fundamentale Voraussetzungen zu schaffen. Erstens: Mit deutlichem Abstand zum Wettbewerb wollen wir unsere Marktführerschaft im Bereich der Freiläufe behaupten können. Und zweitens: Wir brauchen mehr Entfaltungsraum für unsere anderen Produktlinien Industriebremsen, Welle-Nabe-Verbindungen sowie Überlast- und Wellenkupplungen, um deren Wachstumskurve weiter und vor allem steiler ansteigen zu lassen. Mit dem Bau des zweiten Werks, der Investition in zahlreiche neue Maschinen und der Etablierung moderner Lean-Management-Prozesse haben wir nun für alle Produktlinien hervorragende Entwicklungs- und Produktionsbedingungen geschaffen.

Zeigen diese Maßnahmen denn schon sichtbare Effekte für die Kunden?
Maurer: Stand 2016 im Zeichen zahlreicher Neuheiten der Produktlinie Freiläufe, waren es dieses Jahr vorrangig die Bereiche Industriebremsen und Welle-Nabe-Verbindungen, die mit vielen neuen Standard- und Premiumlösungen aufwarten konnten. Für die Welle-Nabe-Verbindungen konnten wir zudem unseren neuen Webshop mit einem innovativen Berechnungstool für die Konstrukteure freischalten. Und 2018 wird unsere Kupplungs-Sparte voll durchstarten. Grundsätzlich ermöglichen es die verbesserten Entwicklungs- und Fertigungsumgebungen – flankiert von weiteren Modernisierungsmaßnahmen – unsere Produktpolitik erheblich zu dynamisieren. Das ist entscheidend für unsere zukünftige Positionierung. Denn erst wenn Sie hinsichtlich Auswahl und Typenvielfalt über ein wirklich repräsentatives Portfolio verfügen, nimmt Sie der Markt als Vollsortimenter oder One-Stop-Supplier ernst.

Welche Marktabdeckung erreichen denn die RINGSPANN-Produkte für die Antriebstechnik derzeit?
Maurer: Bei den Freiläufen sind wir Weltmarktführer; hier überspannt unser Sortiment inzwischen über 90 Prozent aller heute denkbaren Produkte, Modelle und Varianten. Bei den Bremsen gehören wir mit fast 80 Prozent Marktabdeckung zu jenen Herstellern, deren Auswahl einen nahezu vollständigen technologischen Querschnitt durch die Welt der Industriebremsen abbildet. Ähnlich verhält es sich bei den Welle-Nabe-Verbindungen. Und bei den Überlast- und den Wellenkupplungen repräsentiert unser Portfolio aktuell etwa die Hälfte aller möglichen Produkte...

...weshalb Sie hier vermutlich das größte Wachstumspotential sehen?
Maurer: Schon jetzt verzeichnen wir in diesen Bereichen sehr starke Wachstumsimpulse. Das Produktspektrum bei den Überlastkupplungen haben wir bereits 2016 und abermals dieses Jahr erweitert. Und unser Wellenkupplungs-Portfolio wurde in den letzten Monaten massiv ausgebaut und durch viele neue Kupplungstypen ergänzt – derzeit arbeiten wir an den letzten Seiten des neuen Produktkatalogs, der 2018 erscheinen wird.

Nur zum besseren Verständnis nochmal nachgefragt: Sie orientieren sich bei Ihren Marktanalysen immer am Geschehen auf den Weltmärkten?
Maurer: Richtig, wir denken schon immer in globalen Dimensionen – das gilt übrigens auch für unsere anderen Produktlinien Spannzeuge und Fernbetätigungen. Weltweit hat RINGSPANN inzwischen sieben Produktionsstandorte und 13 internationale Gesellschaften. Und ob Getriebebau, Fahrzeug- oder Flugzeugbau, Bahn- oder Marinetechnik, Windkraft, Bergbau oder Rohstoffindustrie – auch unsere über 6.000 Kunden agieren zum großen Teil global. Allein schon deshalb ist es ja so fundamental wichtig, dass wir unsere Entwicklung zum Vollsortimenter auch durch die internationale Expansion der RINGSPANN-Gruppe vorantrieben.

Wie kommen Sie denn voran bei der weiteren Internationalisierung Ihres Unternehmens?
Maurer: Wir wachsen hier jedes Jahr ein gutes Stück. Ich darf vielleicht daran erinnern, dass seit 2015 eine Repräsentanz in Singapur sowie Tochterunternehmen in Schweden und Südafrika zur RINGSPANN-Gruppe gehören. Und dass in 2016 unsere italienische Gesellschaft hinzukam. Seit 2017 haben wir außerdem eine Unternehmenstochter in Österreich, und unsere nächsten Schritte auf dem internationalen Parkett stehen sozusagen vor der Tür. Bei der Internationalisierung haben wir sowohl unsere Produktlinien für die Antriebstechnik im Auge als auch unsere Produktbereiche Spanntechnik und Fernbetätigungen, also mechanische Remote-Control-Systeme wie etwa Druck-Zug-Kabel.

Lassen Sie uns an dieser Stelle hinter die Kulissen schauen?
Maurer: Zum 1. Januar 2018 werden wir durch die Übernahme eines norditalienischen Herstellers ein weiteres Mal unsere Industriebremsen-Sparte stärken. Zudem kündigen sich in meinem Kalender bereits die nächsten vielversprechenden Termine mit ausländischen Gesprächspartnern an. Wir halten hier Kurs, denn die Verbesserung der Kundenorientierung durch eine stärkere Vor-Ort-Präsenz ist ja ebenfalls eine feste Zielgröße unserer mittel- und langfristig angelegten Unternehmensstrategie.

Welche Ziele gehören denn noch zu dieser offenbar recht umfassenden Gesamtstrategie?
Maurer: Unsere Gruppenstrategie ist tatsächlich umfassend und bündelt eine ganze Reihe von Maßnahmen und Zielsetzungen auf unterschiedlichen Ebenen. Einiges klang im Laufe des Gesprächs ja bereits an. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass wir derzeit auch vielfältige Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, zur Prozessoptimierung sowie zur strukturellen Modernisierung von Administration und Beschaffungswesen durchführen. Weitere Aktionsfelder sind die Weiterentwicklung unserer Branchenmanager, die über Spezial- und Detailwissen zu unseren Zielgruppen und Schlüsselmärkten verfügen, sowie die kontinuierliche Verbesserung der Mitarbeiterqualifikation – etwa mit Hilfe unserer RINGSPANN-Academy. Und nicht zuletzt gehört auch die konsequente Digitalisierung aller Unternehmensprozesse zu unserer Gesamtstrategie.

Die Digitalisierung aller Unternehmensprozesse? Das klingt nach Arbeit ohne Ende...
Maurer: ...das ist es in der Tat, zumal wir darunter nicht nur die unternehmensweite SAP-Einführung und die Integration neuer 3D-CAD- und CRM-Systeme verstehen, sondern auch die weitgehende Digitalisierung von Produktions- und Geschäftsprozesse. Die funktionelle Weiterentwicklung der RINGSPANN-Website mit interaktiven Tools für Einkäufer und Konstrukteure gehört ebenfalls dazu. Bei der Digitalisierung kooperieren wir übrigens sehr eng mit den Spezialisten der CiP-Lernfabrik an der Technischen Universität Darmstadt. Von dort beziehen wir eine ganze Reihe richtungsgebender Impulse.

Welchen Zeitplan haben Sie sich denn für die Umsetzung Ihrer Strategieziele gesetzt?
Maurer: Die zahlreichen Maßnahmen der Gesamtstrategie wurden bereits 2014 auf kurz- und mittelfristige Einzelprojekte verteilt, von denen wir inzwischen viele erfolgreich abschließen konnten; einige später gestartete Vorhaben laufen noch. Insgesamt liegen wir sehr gut im Zeitplan und wie eingangs erwähnt, haben wir ja mit der Inbetriebnahme unseres neuen Werks in Bad Homburg ein sehr wichtiges Etappenziel bereits umgesetzt. Einige darauf aufbauende Projekte sowie verschiedene längerfristig angelegte Vorhaben werden uns naturgemäß noch eine Weile begleiten. Wir rechnen damit, 2020 den Großteil der Maßnahmen und Zielsetzungen realisiert zu haben. Ich bin aber sicher, dass zu diesem Zeitpunkt längst wieder viele neue Ideen auf unserer To-do-Liste stehen.

Herr Maurer, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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Auf dem Gebiet der Freiläufe ist RINGSPANN Weltmarktführer und deckt mit seinem Sortiment über 90 Prozent aller heute denkbaren Produkte, Modelle und Varianten ab. Das Bild zeigt einen großen Gehäusefreilauf der Baureihe FH während eines Testlaufs. (Bild: Ringspann)

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RINGSPANN-Geschäftsführer Fabian Maurer: „Bei der Internationalisierung unserer Unternehmensgruppe haben wir sowohl unsere Produktlinien für die Antriebstechnik im Auge als auch unsere Produktbereiche Spanntechnik und Fernbetätigungen, also mechanische Remote-Control-Systeme wie etwa Druck-Zug-Kabel. (Bild: Ringspann)

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Bremsen für die Energietechnik: Neben modernen Elektrobremsen bietet RINGSPANN zahlreiche Baureihen mit pneumatischen und hydraulischen Bremsen. Das Bild zeigt den Bremssattel HS 075 FHM (federbetätigt/ hydraulisch gelüftet) in einer Windkraftanlage vom Typ Pioneer Wincon P750/49. (Bild: Pioneer Wincon/ Ringspann)

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RINGSPANN hat sein Wellenkupplung-Portfolio – im Bild eine Zahnkupplung – in den letzten Monaten massiv ausgebaut und durch viele neue Kupplungstypen ergänzt. Der neue Produktkatalog wird 2018 erscheinen. (Bild: Ringspann)

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Überlastsicherung: Die RIMOSTAT®-Rutschnabe RSHD von RINGSPANN ist mit erstklassigen Komponenten ausgestattet und kann bei niedrigstem Verschleiß selbst maximale Rutschdrehmomente von bis zu 60.000 Nm über eine sehr lange Betriebsdauer konstant halten. (Bild: Lindner-Recyclingtech/ Ringspann)